Fischers Fritz fischt keine Fische: Ozeane im Notstand

Viel Müll, wenig Fische – so lautet die momentane Bilanz unserer Weltmeere. Die UNO setzt sich in ihrer Agenda für nachhaltige Entwicklung zum Ziel, bis 2030 die Meeresverschmutzung zu verringern und die Überfischung zu stoppen. Für einen nachhaltigen Schutz der Unterwasserwelt ist auch die Mithilfe von Firmen und Organisationen gefragt. Wir geben Beispiele für ein sinnvolles unternehmerisches Engagement.

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Wasser nimmt knapp drei Viertel der gesamten Erdoberfläche ein. Es bildet den Lebensraum von tausenden von Tier- und Pflanzenarten und ist die entscheidende Grundlage für jegliches Leben auf der Erde. Wie mit diesen Wasserressourcen aktuell umgegangen wird, lässt jedoch bei zahlreichen Umweltschutzorganisationen die Alarmglocken klingeln. So nimmt die Meeresschutzorganisation Oceana an, dass weltweit stündlich 675 Tonnen Müll direkt ins Meer geworfen wird. Die Hälfte des Abfalls besteht aus Plastik. Dabei ist nicht nur die direkte Verwendung von Ozeanen als Müllhalde ein Problem: Jeglicher Plastikabfall kann aufgrund seiner extrem hohen Lebensdauer, die bis zu 500 Jahren beträgt, über Flüsse oder Wind irgendwann einmal im Meer landen. So stammen laut eines Berichts von Greenpeace 80 Prozent des Mülls im Meer ursprünglich von Quellen an Land. Plastikmüll wird hauptsächlich von Industriestaaten produziert, Entwicklungsländer arbeiten vermehrt noch mit natürlichen Materialien, die sich schnell zersetzen lassen. Je mehr sich Entwicklungsländer aber zu Industrienationen entwickeln werden, wird auch in diesen Ländern die Plastikproduktion ansteigen.

Regulierte Fischerei und saubere Meere

Der Müll ist jedoch nicht die einzige Bedrohung für die Meeresökosysteme. So sind heutzutage die Meere und Ozeane generell überfischt. Laut WWF betragen die Fangzahlen 80 bis 90 Millionen Tonnen Fisch pro Jahr. Fast überall werden mehr Fische gefangen als natürlich nachwachsen können. Als Hauptgründe für die Überfischung sind die starke Fanglobby, zu grosse Fangflotten und die Nichteinhaltung von Kontingenten zu nennen. Zusätzlich zur industriellen Nutzung von Meeresressourcen setzt der Klimawandel die Ökosysteme immer mehr unter Druck. Eine weiter wachsende Weltbevölkerung wird in Zukunft noch verstärkt auf Ressourcen aus den Meeren angewiesen sein.

Nicht nur Umweltschutzorganisationen haben die prekäre Lage um unsere Weltmeere erkannt: Auch die UNO nimmt den Schutz von Ozeanen, Meeren und Meeresressourcen als eines ihrer Hauptziele in die Agenda für nachhaltige Entwicklung 2030 auf. So soll bis 2025 jegliche Meeresverschmutzung wesentlich verringert werden. Bis 2020 bereits setzt die UNO zudem zum Ziel, die Meeres- und Küstenökosysteme nachhaltig zu bewirtschaften und zu schützen. Ebenso sollen in diesem Zeitraum zerstörerische Fangpraktiken und unregulierte Fischerei beendet und bestimmte Formen der Fischereisubventionen untersagt werden.

Angebot gleich nicht Nachfrage

Auch wenn die Schweiz nicht direkt ans Meer grenzt, müssen wir Verantwortung übernehmen. Zum Beispiel führt unser Fischkonsum zu einer Überfischung der Ozeane. Neben dem Apell an unsere Eigenverantwortung können verstärkt auch Firmen und Organisationen ein Engagement zum Schutz der Weltmeere leisten. So können Detailhandelsketten für Nahrungsmittel vermehrt regionale Fischprodukte ins Sortiment aufnehmen und keine Produkte aus illegaler und unregulierter Fischerei beziehen. Das Fischsortiment kann auch verkleinert werden: Zum Schutz der Weltmeere sollte die Prämisse Angebot gleich Nachfrage bedacht verfolgt werden. Bezüglich der Verpackung von Produkten können Firmen jeglicher Art, welche Produkte herstellen oder vertreiben, einen entscheidenden Beitrag leisten. Anstatt bei der Verpackung Plastik zu verwenden, können organische und leicht zersetzbare Materialen gewählt werden. Oft könnte mit der Verpackung auch sparsamer umgegangen werden: Anstatt beispielsweise jeden Kugelschreiber zusätzlich in eine separate Plastikhülle zu verpacken, kann darauf ganz einfach verzichtet werden.

Tasse statt Plastikbecher

Viele Detailhandelsketten haben das Sparpotenzial bei Verpackungen seit Neustem erkannt: So muss man bei vielen Supermärkten neu für Plastiksäcke bezahlen, wodurch der Gebrauch bei den Kunden wesentlich abgenommen hat. Der Ersatz von Plastiksäcken durch Papiertüten wäre für viele Geschäfte auch schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Take-Away-Cafés könnten vermehrt einführen, dass wer seine eigene Tasse mitbringt, eine Preisreduktion erhält. Firmen, die im Dienstleistungsbereich tätig sind, haben andere Möglichkeiten. So kann bei Mitarbeitenden dem PET- und Plastikbecherverbrauch entgegengewirkt werden, wenn Glasflaschen und Tassen zur Verfügung gestellt werden. In der Mensa kann anstelle von Plastikgeschirr für diejenigen, die ihr Essen mitnehmen wollen, eine Karton-Alternative eingeführt werden. Universitäten und Forschungsinstitute können einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Meerestechnologie leisten, welche die Gesundheit der Ozeane verbessert und die biologische Vielfalt der Meere stärkt. Auch mit Gönnerbeiträgen können solche Forschungsprojekte oder Umweltprojekte zum Schutz der Weltmeere unterstützt werden.

Die Postkarte sagts

An die Spende geknüpft kann das Engagement dann auch öffentlich kommuniziert werden. Beispielsweise können Detailhandelsketten beim Verkauf von nachhaltigen Einkaufstüten damit werben, dass der Erlös der Tüte für ein Meeresumweltschutzprojekt gespendet wird. Beim Vertrieb von Fischprodukten kann mittels Schildern in der Fischabteilung kommuniziert werden, dass das Sortiment zwar klein, die Produkte aber dafür täglich frisch sind und aus einer umweltschonender Fischerei stammen. Diverse Online-Shops, die per Post die Produkte an ihre Kunden vertreiben, können mit einer ansprechenden Postkarte auf die umweltschonende Verpackung hinweisen und so einerseits das firmeneigene Engagement für die Weltmeere kommunizieren, andererseits auch die Kunden für das Thema sensibilisieren. Denn um den Unterwasserlebensraum zu schützen, braucht es das Engagement jedes Einzelnen. Damit wir alle in dieselbe Richtung schwimmen, muss die Problematik mehr in das öffentliche Bewusstsein gelangen. So weit vom Meer entfernt, machen wir uns beim Kauf unseres Take-Away-Kaffees wohl selten Gedanken darüber, dass viel Plastik in den Tiefen des Atlantiks landet. Ein verstärktes Bewusstsein, dass mit einer Firmenkultur vorgelebt werden kann, führt schliesslich auch zu Veränderungen von unseren Gewohnheiten – in diesem Sinne: Auf zu neuen Ufern!

Handfestes Engagement für die Agenda 2030

Die UNO verabschiedete 2015 die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Diese umfasst insgesamt 17 Hauptziele, die die Staatengemeinschaft bis 2030 erreichen will. In einer Newsserie stellen wir alle Ziele für nachhaltige Entwicklung einzeln vor und zeigen auf, wie Unternehmen und Institutionen sich für diese Ziele engagieren können. In jedem Newsbeitrag geben wir zudem Inputs, wie das Engagement erfolgreich kommuniziert werden kann.