Nachhaltige Entwicklung geht nur gemeinsam

So könnte das Fazit des Forums für nachhaltige Entwicklung lauten, das im Mai zum dritten Mal in Bern stattfand. Die Frage: Wie können Gemeinden, Städte und Kantone ihre nachhaltige Entwicklung gezielt gestalten?

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SDG 17 als Inspiration | Dr. Mirjam Walker Wedekind, Verantwortliche Forum NE, Bundesamt für Raumentwicklung am von Polarstern gestalteten Redner:innenpult. Quelle: Stephan Kägi

 

Zum 34. Mal trafen sich verantwortliche und interessierte Personen der öffentlichen Verwaltung in Bern, um sich über die nachhaltige Entwicklung in der Schweiz auszutauschen. Das Forum Nachhaltige Entwicklung ist eine Initiative des Amts für Raumentwicklung (ARE) und unterstützt Kantone, Städte und Gemeinden bei der Umsetzung der Agenda 2030. Die jährliche Tagung bietet Orientierung zu aktuellen Entwicklungen im In- und Ausland, gibt Impulse für neue Projekte und fördert den schweizweiten Austausch bewährter Methoden.

Im letzten und vorletzten Jahr drehte sich die Debatte um «Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion» (SDG12) und «Chancengleichheit und Inklusion». Diesmal stand die Governance an sich im Zentrum: Wie können Gemeinden, Städte und Kantone ihre nachhaltige Entwicklung gezielt gestalten? Eine anspruchsvolle, weil sehr offene Fragestellung. Entsprechend weitläufig war der Diskurs und auch die Labs am Nachmittag scheinen auf den ersten Blick an unterschiedlichen Punkten anzusetzen. Dennoch fand sich im Tenor bald eine klare Antwort: Keine nachhaltige Entwicklung ohne bessere Zusammenarbeit; innerhalb der Verwaltung, unter den Fachgebieten, zwischen Wissenschaft und Politik. Schlagworte wie Integration, Zusammenarbeit, Kollaboration und Interdisziplinarität ziehen sich durchs ganze Programm.

«Nachhaltigkeit lässt sich nur gemeinsam und koordiniert umsetzen»

Die beiden Keynote-Vorträge am Vormittag beschäftigten sich mit der konkreten Umsetzung von Plänen und Zielen zu Nachhaltigkeit. PD Dr. Basil Bornemann und Dr. Marius Christen von der Universität Basel sprachen über den Gap zwischen Anspruch und Realität, der bei Nachhaltigkeitszielen oft besteht. Sie ziehen bereits zu Beginn des Tages das Fazit, dass es eine neue Intensität von Austausch und Kollaboration braucht in den Verwaltungen braucht, um Nachhaltigkeit wirksam umzusetzen.

SDG’s schliessen Lücke zwischen Theorie und Praxis

Prof. Dr. Gerhard Schneider von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Kantons Waadt (HEIG-VD) bewegt sich auf die Ebene der Umsetzung und zeigt am Beispiel des Kantons Bern auf, wie die SDGs diese Lücke zwischen Theorie und Umsetzung schliessen können. Die 17 globalen Zeile seien ein revolutionäres Instrument, das massgeblich zur tatsächlichen Realisierung nachhaltiger Entwicklung beiträgt. Sie schaffen einen normativen Rahmen und liefern konkrete Ansatzpunkte, sodass sich Pläne oder Checklisten ableiten lassen. Das braucht es, weil allein das Konzept «Nachhaltigkeit» zu abstrakt ist, um damit arbeiten zu können. Im anschliessenden Podium kam diesbezüglich auch die Rolle der Mitarbeitenden in den Verwaltungen zur Sprache. Die Kultur und Motivation in den Organisationen spielt bei der Realisierung von Nachhaltigkeitsplänen eine grosse Rolle. So müsse die Vision in allen Abteilungen integriert sein und mitgetragen werden, statt nur punktuell in einer bestimmten Fachstelle verortet.

Silos müssen durchlässiger werden

Für dieses Ziel der besseren Kollaboration fand sich bald das Bild der «Silos». Kompetenzen zu bestimmten Themen seien heute noch viel zu oft in Silos gesammelt. Das heisst, Fachbereiche weisen zwar viel Kompetenz und Tiefe auf, sind aber in sich relativ geschlossen. Das gilt auch für die Nachhaltigkeit, wofür oft ein Bereich geschaffen wird, der sich um den Fortschritt zu kümmern hat. Dies führe nur bedingt zum Erfolg, weil die Entwicklung so nicht integriert und zu Ende gedacht ist. Entsprechend muss es unter diesen Silos mehr Austausch geben, sie müssen durchlässiger werden.

Wissenschaft und Politik: Eine wichtige aber anspruchsvolle Freundschaft

In der zweiten Hälfte des Vormittags debattierten Prof. Géraldine Pflieger, Direktorin des Instituts für Umweltwissenschaften an der Universität Genf und der Genfer Staatsrat Antonio Hodgers, wie Wissenschaft und Politik in der nachhaltigen Entwicklung zusammenarbeiten sollen. Das Tandem kam zum Schluss, dass sich die beiden Parteien zwar respektieren und hören, es aber auch hier an der Umsetzung hapert. Sprich, die Politik will sich den Erkenntnissen der Wissenschaft zwar bedienen, doch sind die Ergebnisse selten direkt anwendbar. Im politischen System braucht man Mehrheiten für den Fortschritt, es geht um Meinungsbildung, während die Wissenschaft sich an Fakten und der «Wahrheit» orientiert. Was bleibt ist ein sehr kleiner Bereich als Schnittmenge, in dem tatsächliche Handlung möglich ist.

 

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Wissenschaft und Politik | Handlung ist nur im Bereich einer kleinen Schnittstelle zwischen Meinung und Wahrheit möglich. Quelle: Stephan Kägi

 

Governance konkret in den Labs

Am Nachmittag standen zwölf «Labs» zur Verfügung, in denen sich die Besucher:innen ähnlich einem Workshop vertieft mit einem Thema auseinandersetzen konnten. Auch hier drehten sich die meisten Angebote um Zusammenarbeit, Integration oder Kollaboration auf unterschiedlichen Ebenen, aber auch um konkrete Inputs zur Nachhaltigkeit an sich. Im Lab Nr. 3 wurden etwa psychologische Faktoren diskutiert, die eine Rolle spielen, wenn Menschen für die Unterstützung oder Teilnahme an Nachhaltigkeitsprojekten motiviert werden sollen. Im Lab Nr. 11 wurden unter dem Titel «Radikale Kollaboration in Verwaltungen» konkrete Modelle vorgestellt, mit denen die notwendige neue Intensität der Zusammenarbeit realisiert werden kann. Dazu gehören Konzepte wie interdisziplinäre, selbstverwaltete oder durchlässige Teams.

Ausblick

Zum Schluss ergänzte Dr. Ingeborg Niestroy vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam die Ergebnisse des Tages mit einem Input zur Nachhaltigkeit in Krisenzeiten und zeigte auf, wie aus solchen Situationen durchaus Positives hervorgehen kann.

Auftritt von Polarstern

Wir begleiten das FNE bereits seit drei Jahren im Auftritt und der visuellen Gestaltung. Dieses Jahr umfasste unsere Arbeit das Programmheft – analog und digital – Präsentationsvorlagen sowie das Rednerpult. Alle digitalen Produkte sind selbstredend barrierefrei gestaltet.

 

Gestaltetes Programm Forum NE

Pinselstriche mit Bedeutung | Auch bei der Gestaltung des Programms wurde das SDG 17 in Szene gesetzt. Die Pinselstriche widerspiegeln, sich gemeinsam in einem laufenden Prozess zu befinden.

 

Das Design orientierte sich in diesem Jahr wieder stark am vorgegebenen SDG 17 «Partnerschaften zur Erreichung der Ziele». So ist das Symbol der ineinandergreifenden Ringe bildgebend, ebenso wie die dunkelblaue Farbe. Im Rahmen der SDG’s steht das Symbol für das Thema Governance, gleichzeitig verbildlicht es sehr schön das Thema und Fazit, worauf die Tagung hinauslief: Zusammenarbeit, Kollaboration, Integration. Im Hintergrund ist eine Schweizerkarte mit allen Gemeindegrenzen angedeutet, was auf die Themen Verwaltung und Governance anspielt.

Ein weiteres Gestaltungselement ist die Art, wie das Symbol und Inhalts-Boxen sprichwörtlich gezeichnet sind: Wie ein skizzierter Pinselstrich widerspiegelt der Auftritt so die Situation, sich gemeinsam in einem laufenden Prozess zu befinden, wie das bei den teilnehmenden Personen aus der öffentlichen Verwaltung der Fall war.

Schauen Sie sich auch den Portfolio-Beitrag zu allen Foren NE an, die Polarstern bisher gestalten durfte.

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