Abseits von Konsum und Masse: Was tragen Schweizer Unternehmen zum Gemeinwohl bei?

Der GemeinwohlAtlas klassifiziert Schweizer Unternehmen nach ihrem Beitrag zum Gemeinwohl. Die Bilanz der Studie von 2019: Das Gemeinwohl schrumpft. Was heisst das?

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Public Value | Der Gemeinwohlbeitrag im Sinne einer gesellschaftlichen Wertschöpfung sollte eine wichtige Perspektive und Outputvariable für das Management sein. Bild: GemeinwohlAtlas

Während des Rummels um Weihnachtsangebote, Geschenke und andere konsumfördernde Angebote wie den Black Friday lohnt sich der Blick auf eine ganz andere Seite der Wirtschaft: Welche Schweizer Unternehmen tragen zum Gemeinwohl bei? Dieser Frage geht der GemeinwohlAtlas nach und bewertet die bekanntesten und grössten Unternehmen und Organisationen der Schweiz gemäss ihrem Beitrag zum globalen Gemeinwohl. Denn auch Unternehmen können ihren Teil zu einer besseren Gesellschaft beitragen, in welcher sich Menschen dank verfügbaren Ressourcen und effizienten Konfliktlösungen gut entwickeln können.

Der Verantwortung bewusst werden

Unternehmen und Organisationen stehen im Fokus des Atlas, weil 86 % der Befragten privatwirtschaftliche Unternehmen verantwortlich für das Gemeinwohl halten. Dies hat auch Folgen für die Attraktivität als Arbeitgeber, was teilweise sogar höher als der Lohn bewertet wird: 78 % der befragten Personen würden lieber in einer Organisation arbeiten, die das Gemeinwohl hochhält, auch wenn sie weniger verdienen würden.

Alle zwei Jahre wird deshalb der GemeinwohlAtlas vom Team des Center for Leadership and Values in Society der Universität St. Gallen (CLVS-HSG) herausgegeben. 2019 wurden dafür rund 15’000 Personen zwischen 18 und 93 Jahren in der ganzen Schweiz befragt. Jede Organisation musste dabei entlang von vier Dimensionen bewertet werden: Aufgabenerfüllung, Zusammenhalt, Lebensqualität und Moral. Auf Platz eins schafft es die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega mit einer gesamten Note von 5,55, gefolgt vom Branchenverband Spitex (5,50) und Pro Senectute Schweiz (5,44). Glencore, FIFA und Marlboro belegen die drei letzten Ränge.

Indikator für Gesellschaftstrend

Doch die allgemeine Bilanz alarmiert: Das Gemeinwohl schrumpft. 73 % der Befragten aus der Schweizer Bevölkerung äussern die Sorge, dass dem Gemeinwohl in der Schweiz zu wenig Beachtung geschenkt wird – eine Tendenz, die sich im Laufe der Jahre verstärkt hat. Nahezu alle Organisationen haben aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger einen geringeren Beitrag zum Gemeinwohl erbracht als noch vor zwei Jahren.

Gemäss der Studie scheinen insbesondere Grosskonzerne diese Verantwortung nicht ernst zu nehmen. Sie fallen im Vergleich zu 2017 besonders stark ab im Ranking. Nestlé und Coca-Cola verlieren im Vergleich zum GemeinwohlAtlas 2017 jeweils nahezu 15 % in ihrer Gemeinwohlbewertung, bei Amazon und Facebook sind es fast 10 % weniger. «Dies ist ein relativ grosser Sprung für eine Gemeinwohlbewertung, da diese auf den langfristigen Erfahrungen der Bürgerinnen und Bürger mit einer Organisation beruht. Nur wenn die Bevölkerung der Meinung ist, dass tatsächlich etwas sehr falsch läuft, kommt es zu solch grossen Änderungen in der Bewertung», erklärt Studienleiter Prof. Dr. Timo Meynhardt.

Was tun?

Für die Verantwortlichen der Studie ist dieses Resultat ein klarer Auftrag an Unternehmen und Organisationen, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden. «Führungskräfte sollten diesen Abwärtsschwung als Warnung sehen, die mindestens genauso viel Aufmerksamkeit benötigt wie das regelmässig angedrohte Schrumpfen der Wirtschaft», sagt Prof. Dr. Timo Meynhardt.

Natürlich sagt die Studie nichts über den effektiven Beitrag eines Unternehmens oder einer Organisation zum Gemeinwohl aus, sondern lediglich über die Wahrnehmung dessen in der Bevölkerung. Für uns als Kommunikationsagentur Polarstern zeigt dies, dass es durchaus wichtig ist, sein Engagement richtig zu kommunizieren – unter der Bedingung, dass es etwas zu kommunizieren gibt. Unternehmen und Organisationen, die sich eine ehrliche und transparente Kommunikation zum Ziel gesetzt haben, unterstützen wir dabei.

Das gesamte Ranking ist einsehbar unter www.gemeinwohl.ch

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