Gewaltfreie und gerechte Gesellschaften für alle

Folterungen, Kindesmissbrauch und Menschenhandel sind auch noch im 21. Jahrhundert in gewissen Ländern alltägliche Praktiken. Die UNO sagt solchen Gräueltaten den Kampf an. Ein Unterfangen, das nur gelingt, wenn auch die wirtschaftlichen Player mitspielen. Wir zeigen, wie Unternehmen und Organisationen ein Engagement tätigen und kommunizieren können.

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Folter und Menschenhandel gehören längst vergangenen Zeitaltern an, könnte man denken, wenn man in der behüteten Schweiz aufwächst. Schlägt man Tageszeitungen auf, in denen einem Schlagzeilen wie «Menschenhändler-Bande gefasst: Zur Prostitution gezwungen» entgegenspringen, wird man eines Besseren belehrt. Folterungen, Menschenhandel und jegliche Formen von Gewalttaten stehen auch im Jahr 2017 noch in weiten Teilen der Erde an der Tagesordnung. Amnesty International hat im Zeitraum von 2009 bis 2014 in 141 Ländern Folter und Misshandlung dokumentiert – diese Anzahl entspricht einem Dreiviertel aller Länder weltweit. In gewissen Ländern handelt es sich um Einzelfälle, vielerorts wird aber immer noch systematisch oder routinemässig gefoltert. Auch die Zahlen bezüglich Menschenhandel sind erschreckend: Laut UNICEF werden jährlich zirka 1,2 Millionen Kinder zu Opfern von Menschenhändlern. Kinderhandel betrifft Kinder in Entwicklungs- und Industrieländern. So findet Kinderhandel auch in praktisch allen europäischen Ländern statt. Die betroffenen Kinder werden als Prostituierte missbraucht, zur Heirat gezwungen, illegal adoptiert oder als billige oder unbezahlte Arbeitskräfte eingesetzt.

Mehr Rechtschaffenheit, weniger Gewalt

Gräueltaten, die nicht nur Hilfswerke wie die UNICEF bekämpfen wollen. Die UNO formuliert in ihrer Agenda für nachhaltige Entwicklung 2030 das Ziel, bis 2030 friedliche und inklusive Gesellschaften zu fördern. Es wird gefordert, dass jegliche Formen von Gewalt verringert, Folter und organisierte Kriminalität beendet und die Ausbeutung und Missbrauch von Kindern gestoppt werden. Auch Korruption und Bestechung sowie illegale Waffen- und Finanzströme sollen eingeschränkt werden. Alle Menschen sollen Zugang zur Justiz erhalten und rechenschaftspflichtige Institutionen aufgebaut werden. Firmen und Unternehmen nehmen in diesem Vorhaben ein wichtiges Puzzleteil ein: Ein bewusstes Wirtschaften kann dazu führen, dass Ausbeutung in anderen Ländern nicht mehr weiter indirekt unterstützt wird.

Faire Partnerschaften

So können Modeketten beispielsweise auf Geschäftspartnerschaften mit Textilproduktionsfirmen verzichten, welche ihre Arbeiterschaft ausbeuten und Kinderarbeit betreiben. Firmen jeglicher Art können auf Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen setzen, in denen keine Menschen missbraucht oder ausgebeutet werden. Waffenherstellungsfirmen können einen Beitrag leisten, indem sie Waffen nicht an kriminelle oder zwielichtige Organisationen liefern. In Bezug auf Gewalt und Missbrauch spielt Aufklärung und Bildung eine ganz entscheidende Rolle. Schulen können Kinder früh für potenziellen Missbrauch sensibilisieren und ihnen Handlungsoptionen aufzeigen. Kostenlose Beratungsstellen in Schulen oder öffentlichen Verwaltungen, die bei Gewalt- und Missbrauchsvorkommnissen beratend zur Seite stehen, sollten gefördert werden. Auch Grossunternehmen haben die Möglichkeit, eine kostenlose Beratungsstelle für ihre Mitarbeitenden zur Verfügung stellen. Unternehmen mit genügend finanziellen Ressourcen können zudem Hilfswerke in Entwicklungsländern unterstützen, die sich beispielsweise gegen Kinderhandel einsetzen.

Tabuthemen sichtbar werden lassen

Das Engagement in der Öffentlichkeit zu kommunizieren ist ein weiterer wichtiger Schritt, Gewalttaten jeglicher Art zu reduzieren. Mittels der Kommunikation wird nicht nur die Firma ins gute Licht gerückt, sondern Tabuthemen wie Kindesmissbrauch öffentlich angesprochen. So kann beispielsweise mittels Kampagnen einerseits das Engagement kommuniziert und andererseits das Zielpublikum zum Mitmachen angeregt werden. Wenn eine Modekette Textilien aus fairen Produktionsstätten bezieht, kann sie zum Beispiel eine Kampagne starten, in der für einen bestimmten Zeitraum jeweils pro verkauftem Kleidungsstück fünfzig Rappen an Hilfswerke gespendet werden, die sich gegen Kinderarbeit engagieren. Ganz nach dem Motto «Unsere Kleider werden zu fairen Bedingungen hergestellt – und wir sorgen uns, dass dies auch anderorts geschieht». Shoppen mit guten Gewissen – da man weiss, dass man nicht nur sich, sondern auch anderen etwas Gutes tut – machen viele gerne.

Transparenz schaffen

Schulen können das Thema Gewalt beispielsweise mit Projektwochen aufarbeiten, in denen auch die Öffentlichkeit zur Partizipation eingeladen wird. Mittels Plakaten wird tabuisierten Gewaltthemen auch einen visuellen Platz in der Öffentlichkeit gegeben. Für welche Kommunikationsweise man sich auch entscheidet – das Wichtigste ist, dass man kommuniziert. Eine transparente Kommunikation verleiht einer Firma Glaubwürdigkeit und schafft Vertrauen. Gerade in Bezug auf die Themen Gewalt, Folterung und Menschenhandel wird einem die Wichtigkeit von Transparenz einmal mehr bewusst: Viele dieser Gräueltaten laufen im Verborgenen ab, für die Öffentlichkeit nicht sicht- und fassbar. Wenn ein Unternehmen seine Produktions- oder Arbeitsweisen offenlegt und das Engagement sichtbar macht, weiss man als Kunde, dass man mit dem Kauf des T-Shirts nicht indirekt einen Menschenhändler unterstützt. Mit dem Wissen, was hinter einem Produkt steckt, kann schlussendlich auch ein bewussterer Konsum entstehen.

Polarstern Agenda 2030 Ziele  Sustainable Development Goals (SDG)

Handfestes Engagement für die Agenda 2030

Die UNO verabschiedete 2015 die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Diese umfasst insgesamt 17 Hauptziele, die die Staatengemeinschaft bis 2030 erreichen will. In einer Newsserie stellen wir alle Ziele für nachhaltige Entwicklung einzeln vor und zeigen auf, wie Unternehmen und Institutionen sich für diese Ziele engagieren können. In jedem Newsbeitrag geben wir zudem Inputs, wie das Engagement erfolgreich kommuniziert werden kann.

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