Häufige Fragen zur gendergerechten Sprache

Was bedeutet «gendergerecht» überhaupt und welche Möglichkeiten des Genderns gibt es? Wir haben ein Q&A mit den häufigsten Fragen zusammengestellt.

 

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Gender-Dschungel | Mit unserem Q&A zu mehr Durchblick.

 

Was bedeutet gendergerechte Sprache?

Gendergerechte Sprache hat zum Ziel, die Gleichstellung der Geschlechter abzubilden. Dies bedeutet, dass sämtliche Geschlechter, das heisst weiblich, männlich sowie nicht-binär, gleichermassen sichtbar als auch hörbar gemacht werden. Nicht- oder non-binäres Geschlecht (auch genderqueer genannt) ist ein Oberbegriff und bedeutet, dass sich jemand nicht in das herkömmliche, zweigeteilte Geschlechtersystem einordnet.

Was ist das generische Maskulinum?

Beim generischen Maskulinum wird ein grammatikalisch männliches Wort als allgemeingültiger Oberbegriff für alle Geschlechter verwendet. So werden mit dem Wort «Mitarbeiter» nicht nur männliche Mitarbeitende bezeichnet, sondern es sind auch weibliche und alle nicht-binären Mitarbeitenden mitgemeint. Das generische Maskulinum ist seit längerem umstritten, da psycholinguistische Studien zeigen, dass das generische Maskulinum unser Vorstellungsvermögen überfordert: Im Kopf erzeugt es vor allem Bilder von Männern. Wenn wir also «Mitarbeiter» lesen, stellen wir uns eher männliche Mitarbeiter und nicht Mitarbeitende verschiedener Geschlechter vor.

Welche Formen der gendergerechten Schreibweise gibt es?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der gendergerechten Schreibweise. Vorweg: Grundsätzlich muss unterschieden werden, ob mit der Formulierung jeweils nur Frauen und Männer oder auch nicht-binäre Geschlechter oder weitere Formen abgebildet werden. Letzteres wird auch «inklusive» Sprache genannt, da diese Formen Lesende unabhängig von der Geschlechtsidentität ansprechen.

Eine Übersicht:

Abbildung von weiblichem und männlichem Geschlecht:

  • Doppelnennung mit und/sowie/bzw. (Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter)
  • mit Schrägstrich (Mitarbeiter/innen)
  • mit Binnen-I (MitarbeiterInnen)
  • mit Klammer (Mitarbeiter(innen))


Abbildung von mehr als zwei Geschlechtern:

  • mit neutralen Formen (Mitarbeitende)
  • mit Stern (Mitarbeiter*innen)
  • mit Doppelpunkt (Mitarbeiter:innen)
  • mit Gap (Mitarbeiter_innen)
  • mit Apostroph (Mitarbeiter’innen)
  • mit Mediopunkt (Mitarbeiter·innen)


Weshalb ist gendergerechte Sprache von Bedeutung für die Gesellschaft?

Die Gesellschaft hat einen Einfluss auf die Sprache. Und umgekehrt hat die Sprache natürlich auch einen Einfluss auf die Gesellschaft, denn sie erzeugt Bilder in unseren Köpfen und beeinflusst unser Denken. Dabei ist gerade Deutsch eine Sprache, die eine Geschlechtsmarkierung vornimmt und es uns damit ständig ins Gedächtnis ruft: «Bäcker» und «Bäckerin» erzeugen zwei unterschiedliche mentale Bilder. Dass wir sprachlich so handeln, zeigt, wie wichtig das Geschlecht als soziale Kategorie ist. Wenn wir nun jeweils nur die männliche Form verwenden, dann fühlen sich Frauen und nicht-binäre Personen weniger oder gar nicht angesprochen. Gendergerechte Sprache sensibilisiert die Gesellschaft in Bezug auf die Diversität der Geschlechter und kann helfen, veralteten Stereotypen (bspw. «Ärzt:innen und Pflegefachpersonen» statt «Ärzte und Krankenschwestern») entgegenzuwirken sowie mehr Inklusion in der Gesellschaft zu bewirken.

Welche Herausforderungen betreffend Lesefreundlichkeit bringt die gendergerechte Sprache mit sich?

Die gendergerechten Formulierungen mit Sonderzeichen (bspw. Mitarbeiter:innen), die im Gegensatz zu den Paarformen (Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) alle Geschlechter und nicht nur die binären abbilden, stellen Texter:innen teilweise vor Herausforderungen. Insbesondere im Singular kann es vorkommen, dass sehr viele Gender-Sonderzeichen gesetzt werden müssen und die Lesefreundlichkeit dadurch eingeschränkt wird (bspw. ein:e kompetente:r Mitarbeiter:in).

Wie verhält sich der Bund zu gendergerechter Sprache?

Seit Juni 2021 schreibt der Bund für amtliche Publikationen und öffentliche Texte des Bundes Paarformen (bspw. Bürgerinnen und Bürger) oder geschlechtsabstrakte Formen (bspw. versicherte Person) vor. Das generische Maskulinum ist nicht zulässig. Vom Genderstern und anderen ähnlichen Schreibweisen wird den Mitarbeitenden der Bundesverwaltung abgeraten. Die Bundeskanzlei hat jedoch angekündigt, dass sie ihren Leitfaden überarbeiten und Empfehlungen erarbeiten werde, «wie Menschen, die vom binären Geschlechtermodell nicht erfasst werden, möglichst diskriminierungsfrei bezeichnet werden könnten».

Was empfiehlt Polarstern?

Wir haben unsere Empfehlung in einem Leitfaden festgehalten: «Gendergerechte Sprache leicht gemacht». Darin ist aufgeführt, warum wir uns in den meisten Fällen für die Verwendung von neutralen Formen und dem Gender-Doppelpunkt aussprechen.

 

Lesen Sie mehr zur gendergerechten Sprache:

Gendern leicht gemacht – mit dem Leitfaden von Polarstern (News vom 14.12.2021)

«Die Sprache gehört zu diesen wichtigen systemischen Rahmenbedingungen, die uns täglich und oft unbemerkt beeinflussen.» – Polarstern-Kommunikationsberaterin Lucile Barras im Interview (News vom 10.01.2022)

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