Wie berechnet man Lebenszykluskosten?

In den Fachmagazinen Phase 5 und Domotech stellt Polarstern-Redaktorin Laura Scheiderer ein Tool vor, mit dem Lebenszykluskosten in Zukunft nahezu per Knopfdruck berechnet werden können.

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Ein Tool zur Berechnung von Lebenszykluskosten | Die Geschäftsstelle der Initiative Energie Vorbild testet derzeit einen Prototypen. Quelle: rawpixel.com

Ökologische Nachhaltigkeit gewinnt in Schweizer Beschaffungsabteilungen generell immer mehr an Bedeutung. Dazu gehört auch, die Lebenszykluskosten der Anschaffungen zu berücksichtigen. Deren genaue Berechnung ist heute aber aufwändig bis unmöglich. Die Geschäftsstelle der Initiative Energie Vorbild erarbeitet derzeit ein Tool, mit dem die sogenannten Life Cycle Costs (LCC) einfach und unkompliziert berechnet werden können.

Beim Begriff Lebenszykluskosten denken Sie spontan vermutlich an Kostenpunkte wie Unterhalt, Betriebskosten oder Kosten, die bei der Entsorgung anfallen. Die Berücksichtigung dieser Faktoren ist aber schon weit verbreitet, man spricht in diesem Zusammenhang aber von den sogenannten Total Cost of Ownership (TCO). Worin besteht nun der Unterschied zu Lebenszykluskosten?

Die unsichtbaren Kosten
In LCC sind im Gegensatz zu TCO auch solche Kosten berücksichtigt, die nicht sichtbar sind, nicht direkt in Form einer Geldsumme ausgedrückt werden können, über einen längeren Zeitraum anfallen und zu Lasten der Gesellschaft gehen: Umwelt- und Sozialkosten. Ein Beispiel für Umweltkosten wäre etwa der Schaden, den das Klima und damit längerfristig der Mensch vom CO2-Ausstoss einer Ölheizung davonträgt. Sozialkosten sind, wenn in einer Textilproduktion in einem Entwicklungsland Menschen ausgebeutet werden. Diese Beispiele verdeutlichen die Schwierigkeit, solche Kosten standardisiert in der Beschaffung zu berechnen und berücksichtigen.

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LCC und TCO | Diese Grafik zeigt den Unterschied zwischen den TCO (Total Cost of Ownership) und Lebenszykluskosten (LCC). Die Berücksichtigung von TCO bei der Beschaffung ist bereits relativ weit verbreitet. Die LCC gehen aber einen Schritt weiter, indem sie auch Umwelt- und Sozialkosten berücksichtigen. Wenn Unternehmen bei der Beschaffung die LCC berücksichtigen, weitet sich der Bereich der Verantwortung aus und es fällt etwas weniger zu Lasten der Gesellschaft. Quelle: Eigene Grafik.

Das LCC-Tool
Die Geschäftsstelle der Initiative Energie Vorbild leistet hier Pionierarbeit: Ein Excel-Tool, mit dem die Lebenszykluskosten für Anschaffungen verschiedener Warengruppen genau berechnet werden können, befindet sich derzeit in einer Testphase. Ausschlaggebend ist, dass die schwer zu messenden Umweltkosten berücksichtigt sind. In einer Studie des Bundesamts für Raumentwicklung ARE wurde berechnet, dass der Ausstoss einer Tonne CO2 in der Schweiz 121.50 SFr. kostet. Dieser Kostenfaktor ist im Tool eingebunden, sodass Umweltkosten in der Beschaffung berücksichtigt werden können. Sozialkosten können heute noch nicht monetarisiert werden, verschiedene Akteure suchen aber nach Lösungen.

Unternehmen übernehmen Verantwortung
Entscheiden sich Unternehmen bei der Beschaffung für Varianten mit tiefen Lebenszykluskosten und damit auch geringen Umweltkosten, ersparen sie der Umwelt und Gesellschaft so einen Teil der langfristigen Kosten, die sonst auf sie entfallen würden.

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