Mehr Produktivität, weniger Ausbeutung

Die UNO strebt bis 2030 ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und die Abschaffung von jeglicher Sklaverei und Menschenhandel an. Dafür ist auch das Engagement von westlichen Unternehmen und Institutionen gefragt. Wir geben Inputs, wie Firmen ein solches Engagement kommunizieren können.

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Weltweit sind über 200 Millionen Menschen erwerbslos, darunter vor allem viele junge Menschen. Auch Europa hat diese Arbeitslosenkrise erreicht: In Krisenländern wie Spanien beträgt die Arbeitslosenquote heute über 20 Prozent. Die jungen Menschen lernen Fremdsprachen, weil sie wissen, dass sie nach ihrem Studium keine Arbeit in ihrem Heimatland finden werden. Die Schweiz ist von dieser Krise minder betroffen, sie liegt mit einer Quote von 3,2 Prozent weitaus hinter Spanien. Dennoch – die Krise betrifft weltweit alle Nationen. Denn Arbeit und Wirtschaftswachstum tragen massgeblich zur Bekämpfung von Armut bei. Sowohl für Schwellen- als auch für Industrieländer ist die Förderung eines nachhaltigen Wachstums und die Schaffung von genügend menschenwürdigen Arbeitsplätzen von zentraler Bedeutung. Die Globalisierung mag Nationen zu mehr Wirtschaftswachstum verhelfen, was aber noch lange nicht heisst, dass auch das breite Volk davon profitiert.  Es gibt genug Länder im globalen Süden, in denen ein grosser Teil der Bevölkerung darunter leidet, als billige Arbeitskräfte ausgebeutet zu werden.

Um dem entgegenzuwirken hat die UNO in ihrer Agenda für nachhaltige Entwicklung 2030 ein klares Ziel ins Auge gefasst: Neben einem nachhaltig angestrebten Wirtschaftswachstum sollen bis 2030 Zwangsarbeit bekämpft und Sklaverei und Menschenhandel beendet werden. Damit das Wirtschaftswachstum nicht auf Kosten der Umwelt geht, fordert die UNO zudem eine weltweite Verbesserung der Ressourceneffizienz in Konsum und Produktion und strebt die Entkoppelung von Wirtschaftskonsum und Umweltzerstörung an.

Faire Geschäftsbeziehungen

Um diese Ziele zu erreichen, können Unternehmen, private und öffentliche Institutionen einen wesentlichen Teil dazu beitragen – auch in der Schweiz. In der Schweiz sind zwar Arbeitnehmer mit dem Schweizer Arbeitsrecht gut gegen Ausbeutung geschützt und es herrscht keinerlei Sklaverei oder Menschenhandel vor. Durch Interaktionen mit auswertigen Unternehmen können aber schlechte Arbeitsbedingungen im Ausland indirekt unterstützt werden. Ein grosses Potenzial, sich für das UNO-Nachhaltigkeitsziel zu engagieren, liegt für Unternehmen und Institutionen also in ihren Geschäftsbeziehungen. Modeketten können, statt ihre Jeans in einem Arbeitslager in Bangladesch produzieren zu lassen, auf Fairtrade setzen. IT-Firmen können, statt die Einzelteilchen für die Hardware in China von minderbezahlten Arbeitskräften herstellen zu lassen, sich mit lokalen Firmen zusammenschliessen, die zwar teurer sind, aber in denen zu fairen Arbeitsbedingungen gearbeitet wird.

Fachwissen vermitteln

Fairtrade ist teurer und das kann sich nicht jedes Unternehmen leisten, das ist klar. Man kann auch die Zusammenarbeit mit kleinen Unternehmen in Entwicklungsländern suchen – und sie zu fairen Preisen bezahlen. Das ist zwar teurer, aber immer noch kostengünstiger als in der Schweiz zu produzieren. So können auch Entwicklungsländer auf eine faire Art und Weise in den globalen Markt eingebunden werden. Entwicklungsländer können auch unterstützt werden, indem man ihnen mittels Technologien zeigt, wie sie ihr Wirtschaftswachstum erhöhen können. Maschinenhersteller können Produkte zu günstigeren Tarifen an solche Länder vertreiben und vor allem mit stationierten Fachkräften das Wissen weitervermitteln. Auch Universitäten und andere Ausbildungseinrichtungen können Fachleute an Schulen in Entwicklungsländer schicken, um dort die Lernenden mit modernen Technologien betraut zu machen. Mit Spenden können Hilfsprojekte unterstützt werden, die sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen oder beispielsweise eine moderne Agrarwirtschaft einsetzen.

Um sich für ein umweltschonendes Wirtschaftswachstum zu engagieren, können auch Schweizer Firmen direkt im eigenen Unternehmen eine Veränderung anstreben. So kann bei der Produktion vermehrt auf erneuerbare Energien gesetzt werden. Chemikalische oder sonstige schädliche Abfälle sollten nicht mehr in der Natur, sondern fachgerecht entsorgt werden. Es gibt eine breite Palette an Möglichkeiten, um sich für ein umweltschonendes Wirtschaftswachstum einzusetzen – seien dies auch nur kleine Veränderungen im eigenen Unternehmen.

Hohe Transparenz

Das Engagement für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und bessere Arbeitsbedingungen sollte unbedingt nach aussen kommuniziert werden – es ist nicht nicht nur Engagement, sondern Verkaufsargument zugleich. Das stete Wachstum von Bio und Fairtrade zeigt, dass auch Konsumentinnen und Konsumenten immer mehr auf eine nachhaltige Wirtschaft ansprechen und sich dafür sensibilisieren lassen. Die Möglichkeiten, das Engagement zu kommunizieren, sind vielfältig. Modeketten oder Lebensmittelverteiler können mittels Lautsprecherdurchsagen in den Läden die Kunden direkt auf ihre Fairtrade-Produkte aufmerksam machen. Auch die Verpackung der Produkte bietet sich als gute Fläche an, um das Engagement mittels Beschriftung unmittelbar sichtbar zu machen. Unternehmen, die mit Fernseh- oder Radiowerbung präsent sind, sollten auch dort ihren Einsatz für faire Arbeitsbedingungen oder ein umweltschonendes Wirtschaftswachstum vermitteln. Kleinere Firmen mit geringeren finanziellen Ressourcen für Kommunikationsmassnahmen können ihre Website oder Printprodukte als Plattform nutzen, um das Engagement sichtbar zu machen. So kann beispielsweise bei der firmeneigenen Website eine Rubrik erstellt werden, in der die Produktionsstätten vorgestellt werden. Empfehlenswert ist, dort auch Fotos von den Mitarbeitenden und Räumlichkeiten zu zeigen – Bilder sagen manchmal mehr als tausend Worte und bewirken eine hohe Transparenz. Das, was sich Kundinnen und Kunden, die Wert auf faire Produktionsweisen legen, von einem Unternehmen wünschen.

Handfestes Engagement für die Agenda 2030

Die UNO verabschiedete 2015 die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Diese umfasst insgesamt 17 Hauptziele, die die Staatengemeinschaft bis 2030 erreichen will. In einer Newsserie stellen wir alle Ziele für nachhaltige Entwicklung einzeln vor und zeigen auf, wie Unternehmen und Institutionen sich für diese Ziele engagieren können. In jedem Newsbeitrag geben wir zudem Inputs, wie das Engagement erfolgreich kommuniziert werden kann.