Die 10 Gebote der Nachhaltigkeitsberichterstattung: die GRI-Prinzipien

V4 News Nachhaltigkeitsberichterstattung

 

Die GRI-Standards sind die weltweit meist verbreiteten Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Ambitioniertes Ziel des Standards ist eine Verbesserung der globalen Vergleichbarkeit und der Qualität von Informationen. Entsprechend hoch sind die Anforderungen des Standards. Dennoch ist das Rapportieren nach GRI auch für KMU machbar und lohnenswert. Wichtig dabei ist, sich die Prinzipien zu verinnerlichen.

Die GRI (Global Reporting Initiative) ist eine unabhängige internationale Organisation, die sich der grösseren Transparenz und stärkeren Erfüllung der Rechenschaftspflicht von Organisationen verschrieben hat. Die GRI-Standards werden vom Global Sustainability Standards Board (GSSB), einer unabhängigen Einheit unter der Schirmherrschaft von GRI, herausgegeben und regelmässig weiterentwickelt. Die Mitglieder des GSSB verfügen über viel Fachwissen sowie vielfältige Erfahrungen und stellen eine Multi-Stakeholder-Perspektive sicher. Mit den GRI-Standards wird für Unternehmen eine gemeinsame Basis geschaffen, mit der sie über die ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit berichten können.

Anspruchsvoll, aber lohnenswert

Fürs Rapportieren nach den GRI-Standards reicht es nicht, ein paar Nachhaltigkeitsmassnahmen aufzuzählen. Um den Standards gerecht zu werden, muss die Organisation die Nachhaltigkeit anhand von KPIs (Key Performance Indicators) messen und optimieren. Wenn im eigenen Unternehmen nicht genügend Ressourcen für das Nachhaltigkeitsmanagement und die Nachhaltigkeitskommunikation vorhanden sind, ist es sinnvoll, sich externe Unterstützung zu holen. Wichtig ist, dass das Thema Nachhaltigkeit dennoch nicht gänzlich ausgelagert wird. Denn ein ehrliches und wirksames Nachhaltigkeitsmanagement erfordert, dass die Nachhaltigkeit bei allen Entscheidungen – strategisch als auch operativ – mitberücksichtigt wird.

Wer nach GRI rapportieren will, muss sich an die zehn Prinzipien halten. Es existieren vier Prinzipien zur Bestimmung des Berichtsinhalts sowie sechs Prinzipien zur Sicherstellung der Berichtsqualität.
 

00 Visuals NBE GRI Kriterien

 

Prinzipien zum Berichtsinhalt

Das erste Prinzip in Bezug auf den Inhalt ist dasjenige der Einbindung von Stakeholdern. Gemäss GRI-Grundlagendokument «ist die Organisation dazu angehalten, auf die vertretbaren Erwartungen und Interessen ihrer Stakeholder einzugehen.» Die Organisation muss daher im Vorfeld abklären, welches ihre relevanten Stakeholder sind und welchen Informationsbedarf diese haben. In der Regel gehören zu den Stakeholdern Mitarbeitende, Aktionär:innen, Lieferanten, lokale Gemeinschaften und NGOs. Deren Erwartungen können bspw. über den alltäglichen Kontakt, eine Medienbeobachtung oder eine Umfrage abgeholt werden.

Das zweite Prinzip des Berichtsinhalts bildet der Nachhaltigkeitskontext. Dabei geht es darum, dass die Leistungen der Organisation in einen breiten Nachhaltigkeitskontext gestellt werden. Der Nachhaltigkeitsbericht soll dementsprechend folgende Fragen beanworten: «Wie leistet eine Organisation einen Beitrag zur Verbesserung oder Verschlechterung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Bedingungen auf lokaler, regionaler oder globaler Ebene bzw. wie plant die Organisation zukünftig einen Beitrag dazu zu leisten?»

Prinzip Nummer drei betreffend Berichtsinhalt ist die Wesentlichkeit. Dieses Prinzip stellt sicher, «dass wesentliche Themen im Bericht Priorität haben». Wesentliche und somit für den Nachhaltigkeitsbericht relevante Themen sind solche mit starken ökonomischen, ökologischen oder sozialen Auswirkungen oder solche, die zentral für die die Entscheidungen der Stakeholder sind.

Das vierte Inhaltsprinzip ist die Vollständigkeit. Im Bericht müssen die «behandelten Themen in ihrer Gesamtheit ausreichen, um die erheblichen ökonomische, ökologischen und/oder sozialen Auswirkungen der Organisation aufzuzeigen.» Wichtig dabei ist, dass die Darstellung den Stakeholdern erlaubt, die Auswirkungen der Organisation zu beurteilen.

Prinzipien zur Berichtsqualität

Das erste Prinzip zur Sicherstellung der Berichtsqualität ist das Prinzip der Genauigkeit. Die Informationen im Bericht müssen «ausreichend genau und detailliert sein, damit Stakeholder die Leistung der berichtenden Organisation beurteilen können.» Dies gilt sowohl für quantitative als auch qualitative Informationen.

Das zweite Prinzip der Berichtsqualität ist dasjenige der Ausgewogenheit. Dabei geht es darum, dass «die Gesamtdarstellung des Berichtsinhalts ein unverzerrtes Bild der Leistung der Organisation vermittelt». Es müssen folglich die positiven wie auch die negativen Aspekte der Leistung aufgezeigt werden. Auch hier geht es darum, dass die Stakeholder die Leistung beurteilen können.

Prinzip Nummer drei der Berichtsqualität ist das Prinzip der Verständlichkeit. Die Informationen im Bericht müssen so dargestellt sein, dass sie «für die verschiedenen Stakeholder der Organisation verständlich, zugänglich und nutzbar» sind. Die gewünschten Informationen sollen für die Stakeholder ohne übermässigen Aufwand auffindbar sein.

Das vierte Prinzip in Bezug auf die Berichtsqualität ist die Vergleichbarkeit. Dieses Prinzip fordert das Auswählen und Darstellen von «Informationen in einer einheitlichen Art und Weise». Die Vergleichbarkeit soll sicherstellen, dass die Stakeholder die Leistung der Organisation mit einem früheren Zeitraum, mit den Zielen der Organisation sowie mit anderen Organisationen vergleichen können.

Prinzip Nummer fünf der Berichtsqualität ist die Zuverlässigkeit. Dabei geht es darum, dass die im Bericht verwendeten Informationen und Verfahren «einer Überprüfung unterzogen werden können und die Qualität und Wesentlichkeit der Informationen damit belegt werden können.» Es ist deshalb unabdingbar, dass die Organisation die ursprünglichen Quellen der im Bericht erhaltenen Informationen benennen kann.

Das letzte der sechs Prinzipien in Bezug auf die Berichtsqualität bildet die Aktualität. Gemäss GRI-Standards bezieht sich die Aktualität auf «die Regelmässigkeit der Berichterstattung sowie die zeitliche Nähe der im jeweiligen Bericht beschriebenen Auswirkungen». Mit der Aktualtität der Informationen soll garantiert weden, dass diese den Stakeholdern für deren Entscheidungen rechtzeitig vorliegen.
 

In den ab 2023 geltenden Standards (die zurzeit noch ausschliesslich auf Englisch verfügbar sind) gibt es nur noch acht Prinzipien. Die beiden Prinzipien Stakeholder Inclusiveness (Einbindung von Stakeholdern) und Materiality (Wesentlichkeit) sind nicht mehr als Prinzipien aufgeführt. Doch nicht, weil diese Anforderungen nicht mehr wichtig wären. Im Gegenteil: Sie werden bereits früher im Grundlagendokument als Key Concepts (Schlüsselkonzepte) vorgestellt.

 

Hohe Glaubwürdigkeit

Auch wenn das Rapportieren nach GRI einen Mehraufwand gegenüber der «freien» Berichterstattung bedeutet, lohnt es sich. Einerseits wird oftmals erst durch die vertiefte Auseinandersetzung mit der Materie das Potenzial der Nachhaltigkeitsmassnahmen sichtbar und ausgeschöpft. Andererseits hat ein Nachhaltigkeitsbericht in Übereinstimmung mit den GRI-Standards aufgrund derer hohen Glaubwürdigkeit mehr Aussenwirkung.

Weitere News zum Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung:

Von der Kür zur Pflicht (09. Februar 2022)
Durchblick bei den Standards (23. Februar 2022)
Die inneren und äusseren Werte zählen (28. Februar 2022)

 

PDF Nachhaltigkeitsbericht

Emotional | Der Weleda-Nachhaltigkeitsbericht porträtiert Menschen und ihren Einsatz für die Umwelt.

 

Sachlich ist nicht gleich trocken

Andere Unternehmen setzen statt auf Storytelling auf die direkte und unmissverständliche Darstellung der Fakten. Ein sachlicher Bericht muss keinesfalls trocken daherkommen. Ein rationaler Bericht mit aufgeräumtem Design und grafischen Elemente zur Hervorhebung der Hauptaussagen kann sehr einladend sein.

Ein Beispiel für einen attraktiven sachlichen Nachhaltigkeitsbericht mit vielen grafischen Elementen ist der Nachhaltigkeitsberichts der Nahrungsmittelgruppe Orior. Der letztjährige Nachhaltigkeitsbericht von Orior gehört ebenfalls zu den Top 4 des Focused Reporting Ratings.

Am Anfang steht ein Konzept

Bei der Planung und Umsetzung eines Nachhaltigkeitsberichtes gibt es einige Entscheidungen zu treffen. Mit einem vorgängigen Konzept lässt sich ein stringenter und wirksamer Bericht erstellen, mit dem die Zielgruppen begeistert werden können.

Wir helfen Ihnen gerne bei der Konzeption und Umsetzung Ihres Nachhaltigkeitsberichtes. Erfahren Sie mehr über unser Angebot im Bereich der Nachhaltigkeitskommunikation.

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Von der Kür zur Pflicht (09. Februar 2022)
Durchblick bei den Standards (23. Februar 2022)

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