Wie soll die Schweiz bezüglich Nachhaltigkeitszielen handeln?

In einem Bericht gibt das Sustainable Development Solutions Network (SDSN) drei konkrete Empfehlungen an Bundesrat und Parlament ab, um die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 zu erreichen. Ein Überblick über den Stand der Dinge.

SDSN Switzerland präsentiert Handelsempfehlungen für die Schweiz

Nachhaltigkeitsziele Agenda 2030 | Auch in der Schweiz gibt es noch Handlungsbedarf. Quelle: Simon von Gunten / SDSN Switzerland

Der Begriff «Sustainable Development Goals» (SDG), also die UN-Nachhaltigkeitsziele, dürfte nun wohl den meisten Menschen bekannt sein. Auch die Schweiz stützt sich auf diese SDG in ihrer Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Im Juli 2018 präsentierte die Schweiz an der UNO in New York ihren ersten Länderbericht zur Umsetzung dieser Ziele. Zurzeit entwirft der Bundesrat die nächste Strategie Nachhaltige Entwicklung (SNE) für den Zeitraum 2020 bis 2030.

Das Sustainable Development Solutions Network (SDSN) hat einen Bericht über die UN-Nachhaltigkeitsziele für die Schweiz publiziert. Darin geht SDSN Switzerland auf wichtige Fragen im Hinblick auf die Erreichung der SDG bis 2030 ein und präsentiert erste Lösungsansätze für die Schweiz sowie entsprechende Handlungsempfehlungen für Bundesrat und Parlament.

Wichtig ist dabei, auf die Wechselwirkung zwischen den einzelnen SDG einzugehen, statt sie isoliert anzugehen, denn dies sei die Schwäche der Millennium-Entwicklungsziele (2000-2015) gewesen. So leisten etwa saubere Energien (SDG 7) einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz (SDG 13) und zum Erhalt von Ökosystemen (SDG 15). Nun geht also darum, vermehrt Synergien zu suchen und Zielkonflikte zwischen den verschiedenen SDG-Zielen zu vermeiden.

Indikatorensystem für nachhaltige Entwicklung

Konkret hat das SDSN Switzerland die 24 Unterziele der Schweiz im Hinblick auf ihre Wechselwirkung und ihre Zielkonflikte analysiert. Das Resultat zeigt, dass bei der Umsetzung der Agenda 2030 die Synergien gegenüber den Zielkonflikten klar überwiegen. So sind etwa Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz wie in der Mobilität, im Gebäudebereich, aber auch im Bereich der Digitalisierung und Automatisierung, die Kernelemente der Kreislaufwirtschaft und Grünen Wirtschaft.

Der Bericht weist allerdings auch auf Zielkonflikte hin, so zum Beispiel zwischen der Verdoppelung der landwirtschaftlichen Produktivität und des Einkommens sowie dem Schutz der Ökosysteme in der Schweiz. Mit einer Ausweitung der Produktion würde nämlich auch die Belastung auf die Umwelt zunehmen.

Zuerst priorisieren, dann handeln

Der Bericht schlägt deshalb eine mögliche Priorisierung der Unterziele vor. Dennoch bleibt dieses Unterfangen nicht so einfach. Viele Aspekte sind von sich ständig ändernden Faktoren abhängig und machen die Lösungsansätze komplex. Dennoch gibt das SDSN Switzerland drei konkrete Handlungsempfehlungen ab:

  1. Bundesrat und Parlament sollen in Wissen und Forschung, und somit in Konzepte zu Wechselwirkungen investieren.
  2. Das neu geschaffene Direktionskomitee Agenda 2030 soll Lösungspartnerschaften in- und ausserhalb der Bundesverwaltung aufbauen.
  3. Um die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Politikbereichen besser zu erforschen, sollte das Indikatorensystem für nachhaltige Entwicklung überprüft und ausgebaut werden.

 

Zum Bericht: «Über Silos hinweg kohärente Politik gestalten. Die Bedeutung von Wechselwirkungen zwischen den SDGs für eine weitsichtige Nachhaltigkeitspolitik der Schweiz»

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