Smart City ist mehr als intelligenter Verkehr

Das Konzept Smart City ist in aller Munde. Bilder von führerlosen Metros oder selbstfahrenden Autos und Drohnen, die eigenständig Pakete ausliefern, ziehen vor dem inneren Auge durch. Doch die Smart City ist weit mehr als nur intelligenter Verkehr. Wir geben einen Einblick, wie auch in der Schweiz immer mehr Bereiche des modernen Lebens «smart» werden, und wie dies der Umwelt und der Gesellschaft von morgen zugute kommt.

Zürich bei Nacht

Schweizer Städte | Verwandeln sich immer mehr in vernetzte Systeme. Quelle: iStock

Wieso eigentlich smart?
Smart bedeutet in diesem Kontext vor allem Vernetzung, und zwar selbstständige Vernetzung. Die Idee der Smart City besteht darin, dass nicht nur die einzelnen menschlichen Akteure in einer Stadt oder Region untereinander vernetzt sind, sondern auch Gegenstände und Prozesse autonom miteinander interagieren und sich vor allem aufeinander abstimmen. So soll das Zusammenleben in vieler Hinsicht grundsätzlich effizienter gestaltet werden können. Im Hinblick auf die weltweit stark wachsende Bevölkerung ist das für ein friedliches und vor allem ökologisches Miteinander in Zukunft entscheidend.

Der Klassiker: Verkehr
In Punkto smarter Verkehr laufen in der Schweiz bereits verschiedene (Pilot-)Projekte. Im öffentlichen Verkehr fährt etwa in Sion bereits seit Sommer 2016 der SmartShuttle von Postauto autonom durch die Innenstadt. Auch die Sparbillete der SBB tragen ihren Teil zum smarten Zusammenleben bei, weil sie die Hauptverkehrszeiten durch ein Kontingent an günstigeren Billetten entlasten. Die Stadt St. Gallen hat einen effizienteren Individualverkehr mit einem SmartParking-System getestet, bei dem durch Sensoren freie Parkplätze digital angezeigt werden sollen, um den Suchverkehr zu verringern.

Smarte Stadtverwaltung
Digitalisierung und Automatisierung zeigen sich aber auch abseits des Verkehrs als nützlich. Die Stadtverwaltung Winterthur macht derzeit erste Erfahrungen mit einem Chatbot, der die Mitarbeitenden bei Routineanfragen von Bürgerinnen und Bürgern entlastet. Zudem führen  zahlreiche weitere öffentliche Institutionen derzeit Massnahmen zur Digitalisierung durch, was von E-Government bis zu E-Voting reicht.

Smarte Quartiere
Im Quartier Neuhegi in Winterthur wird derzeit eine Quartier-App getestet, die das soziale Miteinander im Quartier fördern und die Bewohnerinnen und Bewohner untereinander verbinden soll. So enthält die App etwa eine digitale Pinnwand, eine Plattform für Communities zu bestimmten Themen oder einen Veranstaltungskalender. Sie vereinfacht so das Engagement in der Nachbarschaft und ermöglicht diverse Sharing-Konzepte im Quartier, wie etwa das Teilen von Geräten, die nicht täglich gebraucht werden.

Smartes Engagement
In Winterthur wird zudem gerade eine App lanciert, mit der Jugendliche Fragen direkt an Lokalpolitikerinnen und -politiker richten und so auch an der Politik in ihrer Stadt partizipieren können. Ebenfalls in Winterthur gibt es seit einiger Zeit den Stadtmelder, mithilfe dessen Bürgerinnen und Bürger auf Mängel im öffentlichen Raum aufmerksam machen können, wie etwa defekte Mülleimer oder Strassenlaternen.

Wie viel smart braucht es denn?
Damit solche Initiativen schlussendlich auch tatsächlich smart, also funktional und effizient sind, muss man in einem zweiten Schritt Plattformen schaffen, um die einzelnen Akteure untereinander zu vernetzen. Hier sind etwa der Smart City hub oder der Verein Metropolitanraum Zürich Vorreiter. So bleibt zu hoffen, dass unsere Städte tatsächlich bald smart werden.

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