Wann ändern Unternehmen ihr Umweltverhalten?

Unser Planet bietet Rohstoffe in grosser Fülle. Seit der Industrialisierung schöpft die Wirtschaft jedoch mit grosser Kelle aus diesen Quellen. Wie Unternehmen mit den endlichen Ressourcen umgehen können, erklärt Bruno Oberle, ehemaliger Direktor des Bundesamts für Umwelt, im Interview mit Radio SRF 1.

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Nachhaltigkeit | Unternehmen brauchen Anreize wie Imagevorteile, technische Regeln oder Preissignale, damit sie sich im Sinn der Gesellschaft verhalten. Bild: Pexels

«Die Bevölkerung wächst stetig und auch unsere Ansprüche nehmen weiter zu. Das heisst, wir verlangen von diesem Planeten immer mehr. Mehr Raum, mehr Ressourcen, mehr als er uns zur Verfügung stellen kann.» Das sagte Bruno Oberle im Interview für die Sendung Doppelpunkt auf Radio SRF 1 zu unserem Konsumverhalten. Bis Ende 2015 war er Direktor des Bundesamts für Umwelt. Jetzt ist er Professor für grüne Wirtschaft an der Eidgenössische Technischen Hochschule (EPFL) in Lausanne. Dort forscht er, wie in Zukunft die Wirtschaft und vor allem die Industrie umweltfreundlicher und trotzdem rentabel sein kann.

Neue Wege

Für Bruno Oberle ist eindeutig klar, dass wir in Zukunft anders wirtschaften müssen, um weiterhin unsere Bedürfnisse erfüllen zu können. Wir als Konsumenten müssen unser Verhalten ändern. Als Gesellschaft liege es an uns, Regeln festzulegen, die die Richtung für unsere Zukunft definieren. Unsere Umwelt müsse uns wichtig sein. Vor allem seien solche Regeln, Signale und Vorgaben durch die Politik und Gesellschaft wichtig für die Unternehmen.

Unternehmen brauchen Anreize

Heute nutzt die Menschheit weltweit 1,5 Mal so viele Ressourcen, wie die Erde bieten kann. Würden alle so leben wie in der Schweiz, dann bräuchte es sogar drei Erden. Da uns jedoch nur eine Erde Rohstoffe bietet, brauchen wir neue Wege. Die einzige Möglichkeit, um aus weniger Ressourcen mehr zu produzieren, sei eine Kreislaufwirtschaft, betont Bruno Oberle. Da bisher Recycling nicht billiger war, müsse auch dort angesetzt werden. Die Unternehmen bräuchten Anreize, um in die von der Gesellschaft gewünschte Richtung zu gehen. Sei das mit Imagevorteilen, technischen Regeln oder Preissignalen. Zwischen den Unternehmen müsse der Wunsch aufkommen, sich durch umweltfreundliches und neuorientiertes Wirtschaften zu profilieren.

Reduce, reuse, recycle

In einem traditionell innovativen Land mit viel technischem Know-how wie der Schweiz sieht Bruno Oberle der Zukunft optimistisch entgegen. Vor allem wenn sich die Gesellschaft stärker nach den drei R ausrichte, finde sich ganz sicher eine gute Lösung. Die drei R stehen für:

  •  Reduce (verringern)

Wo möglich soll der Konsum verringert oder zumindest auf nicht materielle Lösungen beschränkt werden. Zum Beispiel Musik online statt auf CD kaufen oder Carsharing.

  • Reuse (wiederverwenden)

Güter wiederverwenden, indem etwas aktualisiert oder auseinandergenommen und wiederverwendet wird.

  • Recycle (wiederverwerten)

Ausgangsmaterialien werden als Sekundärrohstoffe verwendet.

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