Wie Energieunternehmen ihre Nachhaltigkeit strategisch gestalten

Während ihres Praktikums bei Polarstern hat Seraina Branschi für ihre Bachelorarbeit die Nachhaltigkeitsberichte der Axpo und des Elektrizitätswerks Zürich untersucht. Der Vergleich zeigt, dass die beiden Energieunternehmen ihr Nachhaltigkeitsengagement unterschiedlich begründen.

Die japanische Nuklearkatastrophe in Fukushima führte 2011 zu einer Sensibilisierung bezüglich der Energiegewinnung in der Schweiz. Seither wird von der Bevölkerung vermehrt der Ausstieg aus der Kernenergie und der vollständige Wechsel auf erneuerbare Energien (Bioenergie, Erdwärme, Wasserkraft, Meeresenergie, Sonnenenergie, Windenergie) verlangt. Diese steigern die ökologische Nachhaltigkeit, führen jedoch unter Umständen zu ökonomischen Einbussen. Energieunternehmen wie die Axpo und das Elektrizitätswerk Zürich (EWZ) versuchen deshalb Strategien zu entwickeln, die sowohl der wirtschaftlichen als auch der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit gerecht werden.

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Strategie | Das EWZ zeigt im Nachhaltigkeitsbericht 2014, wie das Unternehmen auf gesellschaftliche Megatrends reagiert. Bild: EWZ

Die Untersuchung der Nachhaltigkeitsberichte 2014 deckt auf, dass die Axpo sich schwergewichtig über gesetzlichen Vorgaben legitimiert, während sich das EWZ viel stärker auf gesellschaftliche Erwartungen abstützt. Zwei Beispiele:

1. Behörden und Organisationen als Garanten für Sicherheit

Die Kernenergie ist für das Energieunternehmen Axpo eine der wichtigsten Energiequelle. Im Nachhaltigkeitsbericht legt das Unternehmen dar, wie es versucht, die Umwelt vor radioaktiver Strahlung zu schützen: «Nationale und internationale Behörden überprüfen regelmässig die nukleare Sicherheit. […] Darüber hinaus wird die nukleare Sicherheit durch die World Association of Nuclear Operators (WANO) regelmässig analysiert und bewertet.» Das Hinzuziehen von Behörden und internationalen Organisationen soll den sicheren Umgang bekräftigen.

2. Gesellschaftliche Akzeptanz als Voraussetzung

Das EWZ orientiert sich enger an gesellschaftlichen Erwartungen als an vorgegebenen Regulierungen und Standards: «Nur Produkte, die in der gesamten Wertschöpfungskette umweltgerecht und gesellschaftlich akzeptiert sind, können langfristig die Energieversorgung der Schweiz sichern. EWZ bietet solche Produkte an als Beitrag zur Energiewende sowohl als Elektrizität wie auch im Bereich thermische Energie in Form von Wärme- und Kälteversorgung. […] Mit dem Energiecontracting erstellt und betreibt EWZ Anlagen, die den Wärme- und Kältebedarf der Kundinnen und Kunden effizient, wirtschaftlich sowie umweltschonend decken.»

Die theoretische Basis

Die Analyse der beiden Nachhaltigkeitsberichte wurde in Form einer qualitativen Inhaltsanalyse durchgeführt. Durch die Aufteilung in Kategorien konnte ermittelt werden, welche Legitimitätsstrategie nach Mark Suchmann und William Richard Scott das jeweilige Unternehmen verwendet: regulativ/pragmatisch (Verfolgen von Regeln und durch Zwang), moralisch (Verfolgen von gesellschaftlichen Erwartungen) oder kognitiv (unhinterfragte Legitimität). Die Arbeit basierte auf der theoretischen Grundlage des Neo-Institutionalismus nach John W. Meyer.

Nachhaltigkeitsbericht 2014 der Axpo
Nachhaltigkeitsbericht 2014 des EWZ

Seraina Branschi absolvierte von März bis August 2015 ein Praktikum bei Polarstern. Mit ihrer Bachelorarbeit «Nachhaltigkeit in Energieunternehmen – eine neo-institutionalistische Analyse am Beispiel der Axpo Gruppe und dem Elektrizitätswerk Zürich» im Studiengang Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Luzern holte sie die Note 5,5. Nach dem Studium ist sie beim Bundesamt für Energie als Fachspezialistin Grundlagen Entsorgung eingestiegen.

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