Wie sieht die Wirtschaft der Zukunft aus?

Angefangen mit Aristoteles in der Antike, über Thomas Hobbes, Karl Marx oder Adam Smith: Alle dachten sie, sie hätten die Wirtschaft neu erfunden, und so funktioniere es jetzt. Heute leben wir im Zeitalter des Wachstums und sehen: so kann es nicht mehr lange weitergehen. Wir befassen uns mit einigen alternativen Varianten für die Zukunft.

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Wirtschaft im Einklang mit den Ressourcen der Erde | Wie fest soll, muss oder kann sie gesteuert werden? Quelle: AdobeStock

Steady State Economy
Das Gegenteil von Wachstum ist Stillstand. Bereits im 18. Jahrhundert entwickelte Adam Smith die Theorie, dass jede Wirtschaft irgendwann einen gesättigten Zustand erreicht und sich dort einpendelt. Weiterentwickelt wurde diese Idee dann später von Herman Daly. In seinem Konzept spielen die natürlichen Ressourcen der Erde eine ebenso wichtige Rolle wie die Politik bzw. der Staat. Dieser müsse nämlich, sobald dieser Zustand der Sättigung eintrete, die Kontrolle über sämtliche Ressourcen übernehmen und den Konsum steuern. Das grösste und nicht ganz unbeachtliche Problem dieser Theorie ist, dass sie eine konstante Bevölkerungszahl voraussetzt.

Ecommony
Das Konzept der deutschen Volkswirtin und Historikerin Frederike Habermann beruht auf den Prinzipien «Besitz statt Eigentum» und «Beitragen statt Tauschen». Der Begriff setzt sich zusammen aus den Wörtern «Economy» und «common». Die antikapitalistische Idee geht davon aus, dass niemand mehr etwas Eigenes besitzen sollte und alle Güter allen gehören, also Gemeingut sein sollten. Persönlichen Besitz gibt es nur zu dem Zeitpunkt, in dem ein Gut von jemandem verwendet wird. Zudem wird das Konzept der Arbeit ganz neu interpretiert. Man wendet sich vom klassischen Tauschprinzip ab und betätigt sich der Sache wegen, nicht weil man etwas dafür bekommt. Und wechselt also zum intrinsischen Anreiz.

Blue economy
Der Belgische Unternehmer Gunter Pauli setzt seine Idee in den Kontrast zur heute bekannteren Green Economy, denn er sieht darin ein Problem. Oftmals sind Produkte die gesund, umweltfreundlich und fair produziert sind, teurer als andere. Damit ist ein Teil der Bevölkerung von der Entscheidung ausgeschlossen, ob sie gesunde und nachhaltige Produkte kaufen oder nicht. Die Lösung dieses Problems sieht er in einer Ressource, die gerade erst als solche erkannt wird: dem Abfall. Kann dieser clever genutzt und eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft realisiert werden, könnten laut seinen Berechnungen weltweit viele Arbeitsplätze geschaffen werden und das Wirtschafssystem würde sich in eine andere Richtung entwickelt.

Gemeinwohlökonomie
Diese Idee kehrt das heutige System nicht komplett von innen nach aussen, sondern fügt ihm eine «menschliche» Komponente hinzu. Theoretiker vermerken vier wichtige Punkte, um dieses System umzusetzen:

  1. Globales Ressourcen-Management: wie in der Steady State Economy müssten die globalen Ressourcen zentral verwaltet werden, beispielsweise über die UNO. So könnte man genau berechnen, was es wovon überhaupt genau braucht, sodass es keine Überproduktionen und damit Preisdumping mehr gäbe.
  2. Ökologische Steuer: Der Staat müsste Steuerabgaben für schädliche Emissionen verlangen.
  3. Unternehmerisches Umdenken: Unternehmen müssen langfristig umdenken und ökologischer und nachhaltiger produzieren.
  4. Kontrollierter Konsum: Sowie die Produktion kontrolliert wäre, müsste auch der Konsum klar gesteuert sein. Jeder dürfte nur eine bestimmte Menge bedenklicher Produkte konsumieren.

Digitalisierung
Zu guter Letzt darf natürlich nicht vergessen werden, dass dieser eine Faktor die Welt schon massgeblich verändert hat und innerhalb der letzten 20 Jahre völlig neue Möglichkeiten für eine zukünftige Entwicklung hat erscheinen lassen. Laut dem Amerikaner Ray Kurzweil wird die Forschung in der künstlichen Intelligenz bis 2045 soweit sein, dass sich der Mensch künstlich selbst erschaffen kann bzw. künstliche Intelligenz weitere künstliche Intelligenz erschafft. Auch wenn dies eine sehr gewagte Annahme ist, wird dieses Phänomen einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Wirtschaft der Zukunft haben. Die grosse Herausforderung ist hier, dass sich die Bildung dieser Entwicklung anpassen muss. Mindestens so disruptiv dürfte auch die Blockchain-Technologie sein.

Auch wenn die meisten dieser Ansätze im Augenblick sehr abstrakt wirken, ist es wichtig, dass wir uns mit der Thematik auseinandersetzen und nach guten Ideen und Lösungen suchen. Myclimate, WWF Schwiez und Fastenopfer veranstalten eine Eventreihe zum Thema mit vielen spannenden Gastreferenten: Neue Wirtschaftsmodelle für unsere Zukunft. Im Blogbeitrag zu nachhaltigen Geschäftsnetzwerken hatten wir vor einer Weile das Konzept «creating shared value» vorgestellt – auch eine Option.

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